Die Weber |
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von Gerhart Hauptmann
"Wir sind im Prinzip alle bettelarm - nur wir erleben das nicht am eigenen Leibe. Unsere Schulden zahlen andere" Jo Fabian gilt als Schöpfer eines ungewöhnlichen Bildertheaters. Seit 1984 hat er in über 50 Inszenierungen ein eigenes Theaterkonzept entwickelt, das an die französische Avantgarde der Zwanzigerjahre anknüpft und auf wesentliche Elemente des Surrealismus zurückgreift. Er durchbricht in seinen künstlerischen Arbeiten konsequent die Genregrenzen zwischen Schauspiel, Tanz, Performance, Konzert und Installation. 1994 wurden zwei seiner Produktionen zum Berliner Theatertreffen eingeladen. 1999 erhielt Jo Fabian den hochdotierten „Deutschen Produzentenpreis für Choreographie".
Ausgangspunkt für das Drama war das unvorstellbare Elend der Weber in Hauptmanns Heimatregion Schlesien, das auch 50 Jahre nach dem Aufstand der Weber keineswegs getilgt war. Gegenstand des Dramas war dieser dreitägige Aufstand im Juni 1844, der mit 11 aufständischen Toten und bei 80 später Angeklagten mit insgesamt 203 Jahren Zuchthaus, 90 Jahren Festungshaft und 330 Peitschenhieben endete. Ursache des Aufruhrs waren die fortschreitenden Lohnkürzungen für die hergestellten Webwaren, die zynische Willkür und das herablassende Verhalten einiger Unternehmer der Region gegenüber den Abhängigen. Die Weber rächten sich mit einer systematischen Zerstörung des Eigentums dieser Unternehmer, ohne gegen die Unternehmer selbst vorzugehen. Hauptmann sondierte diesen Aufruhr mit ausgiebiger Sorgfalt und besuchte um 1890 mehrere Male die ärmlichen Unterkünfte der Weber seiner Zeit, bevor er das Drama schrieb, das zum theatralischen Ereignis des Naturalismus wurde. Die preußische Zensur verhinderte zwei Jahre lang erfolgreich die öffentliche Uraufführung. Heute hat sich der Abgrund zwischen Arm und Reich entschieden vergrößert und globalisiert. Er ist durch die Medien in jeder Form im Bewusstsein der Menschen, ohne das Gesetz dieses Dualismus durchbrechen zu können. Uns obliegt es, nicht mit weiteren Bildern des Elends das Mitgefühl zu wecken. Das können Bilddokumente aus der sogenannten Dritten Welt entschieden wirksamer. Jo Fabian geht es um eine bildkräftige Aufdeckung des Mechanismus dieses Dualismus, der gegenseitigen Abhängigkeit von Arm und Reich und um ein Nachdenken über eine mögliche andere Zukunft. „ Hauptmanns Dramen sind repräsentative Leidensgeschichten. Stellvertretend für zeitlos gültige Urbilder des Menschen nehmen die Gestalten seiner Bühnenwerke ein Schicksal auf sich. Immer wird hinter den genau gezeichneten Gesichtern der Figuren die ewige Physiognomie des Menschen sichtbar. Auf diesen Archetypus hin muß Hauptmann inszeniert werden. Dieser neue Stil ist auch für die Aufführung der frühen Dramen zu fordern, wenn Hauptmann nicht in den Schlingen des Naturalismus erdrosselt werden soll. Das enge Kabuff, in dem Hauptmann am deutschen Theater meist gespielt wird, muß von der Bühne gesprengt werden." Rolf Michaelis: Der schwarze Zeus. Hauptmanns zweiter Weg. Berlin 1962 Regie und Bühne: Jo Fabian | Kostüme: Pascale Arndtz | Dramaturgie: Jan Kauenhowen a.G. | Musikdramaturgie: Jörg Steinberg Mit: Dreißiger, Fabrikant David Kramer
GALERIE (Fotograf: Gert Kiermeyer) |


