Clockwork Orange |
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Ein Spiel von Anthony Burgess Wir befinden uns in der Zukunft. Oder besser gesagt in einer Zeit, die all die Scheußlichkeiten der Gegenwart zu voller Blüte gebracht hat - grenzenlose Gewalt und nackter, menschenverachtender Zynismus beherrschen die apokalyptische Szenerie, in der verrohte Menschen aufeinander eindreschen; ohne Sinn, aber mit Musik. Willkommen in »Clockwork Orange«, willkommen in der Welt von morgen, die bevölkert wird von Alex, Georgie, Pete und Dim, die sich in diesem Alptraum eingerichtet haben und bewegen, als gäbe es nur den schnellen Schlag gegen Langeweile und Frust, die brutale Attacke als einziges Gefühl wider die Ohmacht des Lebens. Diese Gang, angeführt vom vierzehnjährigen Alex, taumelt durch die Stadt in einem Zustand aus provozierender Lässigkeit und nervöser Anspannung, der sich regelmäßig in Orgien sinnloser Gewalt entlädt. Es existieren keine Einschränkungen mehr, weder die inneren, moralischen noch die äußeren einer gesellschaftlichen Autorität, die es nicht gibt. Wozu also Zurückhaltung? Wieso nicht das Äußerste? Weshalb nicht Horror ohne Grund und Anlass? Bevor die Nacht endet, hat Alex vergewaltigt, einen Mord begangen, viel Milch getrunken und nicht verstanden, warum ihn seine Freunde erst zusammenschlagen und dann verraten. Und die Uniformierten warten schon auf einen wie ihn, dessen Zerstörungswillen man so genussvoll mit Zerstörungswut beantworten kann. Die Lebensorgie der Gewalt findet überall statt, ob im Gefängnis oder in der Klinik, ob durch die Regierung oder in der Familie - niemand bleibt verschont und jeder Platz eignet sich wie ein anderer. Die Frage, warum das so sein muss, stellt niemand, denn es gibt ohnehin keine Antwort. Die ist auch nicht nötig, denn mittels Technik und Chemie kann das Böse im Menschen vernichtet werden. Alex wird einem Experiment unterzogen, das seine kriminelle Energie in schmerzhaften Brechreiz verwandelt und ihn damit zum Kotzbrocken macht, gefügig und wehrlos, womit alles bleibt wie es immer war. Nur dass die Spirale der Gewalt sich schneller und schneller dreht, Opfer in Täter verwandelt und der Unterschied zwischen Gut und Böse vollkommen bedeutungslos wird. Der Reigen aus Gewalt und Schmerz setzt sich endlos fort und Alex' Welt dreht sich im Kreis. Sie wird wohl niemals untergehen. Dieser Stoff, aus dem Anthony Burgess seinen berühmten Roman gebaut hat und der seit Generationen die Fantasie beflügelt, ist so aktuell wie eh und je. Denn die Frage nach der Gewalt, ihren Formen und Ursachen bleibt nicht nur auf der Bühne ohne eine endgültige und vor allem befriedigende Antwort. Regie: Katka Schroth | Bühne: Christian Beck | Kostüme: Elke von Sievers Darsteller: Inspizienz: Andreas Pietrek
GALERIE (Fotograf: Gert Kiermeyer)
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