Grenzgänger/Outrepasseurs |
|
"Grenzgänge(r)/Outrepasseurs" Das Projekt (2010-2012) Mit dem Théâtre de la Tête Noire in Saran/Orléans und dem Thalia Theater Halle treffen sich ein französisches und ein deutsches Theater für wechselseitige Autorenförderung und zu einem längerfristigen künstlerischen Dialog und Spiel-Experiment. Beide Theater legen den Fokus ihrer Arbeit auf junge Dramatik und deren Umsetzung für ein junges erwachsenes Publikum. Ein französischer und ein deutscher Dramatiker begeben sich auf eine Entdeckungs- und Begegnungsreise ins jeweilig andere Land, welches mit seinem geschichtlichen und kulturellen Hintergrund und seinen sozialen und sprachlichen Gegebenheiten als Inspiration für den Text dienen soll. Über die Schreibarbeit hinaus nehmen die Autoren - in Zusammenarbeit mit Regisseur und Bühnenbildner des Gastlandes - aktiv teil an der konzeptuellen und szenischen Umsetzung. Eine deutsch-französische Schauspielercrew arbeitet hierbei 2011 unter deutscher und 2012 unter französischer Regie.
Im Rahmen dieses Projekts haben das Thalia Theater Halle und das Théâtre de la Tête Noire je zwei jungen deutsch-französischen Autorenpaaren Stückaufträge vergeben: Pamela Dürr/Sylvain Levey (2011-2012) Pamela Dürr und Sylvain Levey haben vieles miteinander gemein: beide sind Schauspieler - die auch bereits als Regisseure tätig waren -, sie schreiben als Autoren ebenfalls für das junge Publikum und lieben es, Theaterwerkstätten mit Kindern und Jugendlichen zu machen. Sie sind also nicht „nur" Dramatiker, sondern vielseitige, aufgeschlossene und experimentierfreudige Theatermenschen.
1970 in Hamburg geboren, wuchs Pamela Dürr in der Schweiz auf. Nach ihrer Schauspielausbildung an der Hochschule für Musik und Theater Bern spielte sie am Mecklenburgischen Staatstheater Schwerin und am Staatstheater Cottbus. Ab 2002 folgen eigene Regiearbeiten, Stückentwicklungen und Hörspiele. Ihr Text « caravanes », ein Stück für einen Wohnwagen, 2 Schauspielerinnen und viele Orte, wurde in der Kaserne Basel, dem Theaterhaus Gessnerallee in Zürich, den Sophiensaelen in Berlin und dem Staatstheater Stuttgart gezeigt. Für « Superhelden » erhielt sie den Preis der Schweizerischen Autorengesellschaft SSA und wurde zum Heidelberger Stückemarkt nominiert. Als Dramatikerin und Werkstattleiterin mit Kindern und Jugendlichen arbeitet sie u.a. mit dem Theater der jungen Welt Leipzig, dem Jungen DT in Berlin und dem Théâtre de l'Est Parisien. Sie lebt abwechselnd in der Schweiz und in Berlin.
Sylvain Levey Sylvain Levey wurde 1973 in Maisons-Lafitte geboren. Er lebt als Schauspieler und Autor in Paris. Als Schauspieler arbeitet er vor allem mit der Compagnie Felmur, unter der Leitung von Gweltaz Chauviré und mit der Compagnie Zusvex, in Inszenierungen von Marie Bout. Als Leiter des Théâtre du Cercle in Rennes gründete er das « P'tit Festival » (Theater von Kindern für Kleine und Große).
Beide Autoren waren beim Festival „NOUVEAUX AUTEURS # 8" im Mai 2011 mit je einem Stück vertreten. Von Sylvain Levey (der in den Jahren zuvor mit „Aus Jux und Zeitvertreib" sowie-als Ko-Autor- mit „Die außerordentliche Ruhe der Dinge" in Erscheinung getreten war) inszenierte der Jugendclub des Thalia Theaters unter der der Leitung des Regisseurs Michael Morche das Jugendstück „Alice für den Augenblick". Von Pamela Dürr war das Klassenzimmerstück „Verminte Zonen" in einer Produktion des Jungen DT Berlin zu sehen.
Claudius Lünstedt und Claire Rengade haben sich vor wenigen Jahren in Villeneuve-lez-Avignon anlässlich einer Schreibresidenz in der "Chartreuse" kennengelernt und haben bereits dort einen persönlich-freundschaftlichen Dialog über das Schreiben für das Theater begonnen. Das Grenzgänge(r)-Projekt gab ihnen die Gelegenheit, diese gemeinsame und/oder gegenseitige Auseinandersetzung weiterzuführen und künstlerisch umzusetzen.
Claudius Lünstedt wurde 1973 in München geboren. Studium der Dramaturgie an der Hochschule für Musik und Theater in Leipzig. 2001 - 2002 Teilnahme an der Dramenwerkstatt der Bayerischen Theaterakademie. "Vaterlos", ausgezeichnet mit dem niederländisch - deutschen Jugenddramatikerpreis, wurde 2004 im TiF Dresden uraufgeführt. Für "Zugluft" erhielt Lünstedt 2003 den Else-Lasker-Schüler Stückepreis (UA 2005 am Pfalztheater Kaiserslautern). "Musst boxen", 2003 mit dem Lenz-Preis der Stadt Jena ausgezeichnet, wurde am 10.12.2004 im Staatstheater Nürnberg uraufgeführt. Der Autor nahm mit seinem Stück "Freiburg" im Januar 2008 an der "Deutschlandsaga" der Berliner Schaubühne teil. "Krieger im Gelee" (UA 2008) und "Amy" (UA im März 2010) wurden und werden im Schauspielhaus Wien gespielt. Sein letztes Stück, „Teheran 1386", wurde im Oktober-Heft 09 von Theater Heute veröffentlicht.
Claire Rengade ist Autorin, Regisseurin und Schauspielerin. Sie lebt und schreibt zwischen Lyon und den Cevennen. Sie leitet die freie Truppe Théâtre Craie seit 1996, mit der sie Texte von Philippe Minyana (Chambres), Annie Zadek, („Le cuisinier de Warburton"), William Pellier „La vie de marchandise", Nicolas Bouvier („Poisson-scorpion") und Patrick Kerman („The great disaster") inszeniert. Sie übersetzt und inszeniert drei französische Erstaufführungen von Stücken des Spaniers Rodrigo Garcia („Notes de cuisines" - actes 1, 2 et 3). Claire Rengade eignet sich die unterschiedlichsten Themen an - von Überschwemmungen und Eisenminen über SuperHelden („Flash Gordon"), Fischzucht und den Krieg von 1870 bis zur Textilindustrie - und bemüht sich um ein Theater des Reellen, das über den wort-und sinnorientierten Realismus hinausgeht. Ausgehend von der Fragestellung „wie sehen wir den Anderen - wie sieht er uns?" haben beide Dramatiker die Partnerstädte besucht, besichtigt und untersucht, Eindrücke gesammelt und Gespräche geführt. Davon ausgehend sind zwei Stücke entstanden - „Wer wir sind" von Claudius Lünstedt" und „das hat nichts mit der musik zu tun" von Claire Rengade. Die beiden Texte erlebten im März 2011 in der Regie von Arek Smigiel mit einer deutsch-französischen Crew in Saran ihre Doppel-Uraufführung. Anschließend fanden drei Aufführungen dieser Produktion im Rahmen den Festivals „nouveaux auteurs" im Mai 2011 in Halle statt. |



Pamela Dürr

