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Amadeus

Datum:
Samstag 13.03.2010
Ort
Puppentheater auf Reisen: Marburg
Sparte:
Puppentheater

Zusätzliche Infos

Amadeus
15. Hessische Kinder- und Jugendtheaterwoche in Marburg



nach Peter Shaffer, in der Übersetzung von Nina Adler
Rechte: S. Fischer Verlag GmbH
Regie:
Moritz Sostmann | Bühne und Kostüme: Atif Hussein | Puppen: Atif Hussein
Mit:
Nils Dreschke, Lars Frank, Jörg Leistner (Musiker), Philipp Pleßmann


Salieri, der ewig Mittelmäßige, behauptet in einer fiktiven Lebensbeichte, er habe Mozart, den Clown Gottes, aus dessen Obhut gerissen und in eine Nacht gestürzt, die ohne Ende ist. Warum? Aus Liebe? Aus Eifersucht?


Aus der Erkenntnis heraus, daß er, Salieri, der Einzige ist, der die Gabe hat, Mozarts Musik, deren Geist, deren Idee, deren Transzendenz zu verstehen, die er selbst nie im Stande sein wird hervorzubringen. Voller Selbsthaß und komischer Verzweiflung führt Salieri uns sein letztes, eigenes, zutiefst persönliches und zugleich trivialstes Werk vor: die Geschichte der Zerstörung eines Genies.


Eine Dreiecksgeschichte, im Gewand einer Kriminal-Farce, erzählt uns von der zerstörerischen Sehnsucht des Menschen, das Wesen seiner Existenz zu beschreiben und es zu begreifen. Regisseur Moritz Sostmann (Ursel, Buddenbrooks) wirft mit dieser Neuproduktion die Frage auf: Kann eine Puppe das Göttliche im Menschen beschreiben? Kann sie, indem sie Menschsein vorspielt, von dieser Sehnsucht des Menschen nach dem Göttlichen erzählen?


"... Ein geteiltes Wesen ist ... Salieri, der leidet unter "Amadeus". Geteilt in eine wunderbare Puppe, mit einem Gesicht, das aufnahmefähig scheint für beinahe alles - und den wunderbaren Puppenspieler Lars Frank, gleichsam der menschliche Schatten der Puppe, sie und sich zu einem dritten Doppelwesen fügend. Der Gliedermann, den L. Frank hier animiert und kommentiert, ist in gewisser Weise konventionell und doch ganz nahe bei dem Geheimnis von Kleists Marionette: frei von jeder Erkenntnis - oder versehen mit jeder.
So manifestiert Puppentheater Selbstbewußtsein: indem es nicht davon träumt etwas anderes zu sein."

Henryk Goldberg in Thüringer Allgemeine, 7.7.2008