Beobachtungen vom Rummel
20 Jahre in 20 Zeilen – Die Klassik-Kolumne von Luca Rummel
Wie blickt ein 24-jähriger Musikwissenschaftler und Dramaturg auf die eigenartige Welt der Klassik? Einmal pro Quartal teilt unser Konzertdramaturg Luca Rummel in dieser Kolumne seine Gedanken zu einem Thema.
Erste Ausgabe: Die Fusion in der klassischen Welt.
20 Jahre Staatskapelle Halle – ein Grund zu feiern. Doch was
2006 in Halle geschah, war keine herkömmliche Neugründung.
Es war eine Fusion: Das Philharmonische Staatsorchester
und das Orchester des Opernhauses beschlossen, zukünftig
als gemeinsames Orchester unter einem Dach zu
musizieren. Ich frage mich: Wie kann das funktionieren,
wenn doch jedes Orchester seine eigene Geschichte, seinen
eigenen Klang, seine eigene Identität hat? Was passiert, wenn
zwei Orchester plötzlich zusammen spielen? Wenn ich mit
Musikerinnen und Musikern aus dieser Zeit spreche, erzählen
sie mir, dass es da durchaus Unterschiede gab: Wer das
Orchester gut kannte, konnte die unterschiedlichen musikalischen
Handschriften zu Beginn noch heraushören.
Ich kenne das Orchester nun seit einem Jahr
sehr gut, und ich kann berichten: Ich höre
diesen Graben nicht mehr. Das Orchester ist
zum homogenen Klangkörper von Halle
zusammengewachsen. Eine Fusion braucht
also Zeit. Die Staatskapelle Halle zeigt, dass
sie funktionieren kann.