Wer bist Du ?
Ich bin 71 Jahre, Mutter, Großmutter, kein typischer Familienmensch, keine »Plätzchenbackoma«, nicht sehr gesellig, aber meiner Familie tief verbunden. Beruflicher Erfolg war mir immer sehr wichtig, aber nicht wichtiger als meine Familie. Ich habe zunächst eine wissenschaftliche Laufbahn eingeschlagen. 1991 bin ich auf Grund der Umstände Unternehmerin geworden. Es war zwar keine freie Entscheidung, entsprach aber meinem Drang nach Unabhängigkeit. Ich habe es nicht bereut, viel gelernt und bin bis heute noch im Unternehmen aktiv, nicht Vollzeit, aber mit ganzem Herzen und Stolz auf die MitarbeiterInnen.
Was sollte von Dir/über Dich NIE vergessen werden?
Sie war eine Einzelgängerin, aber keine Egoistin. Wenn es darauf ankam, war sie da. Man konnte sich auf sie verlassen.
Ihr Optimierungswahn hat oft genervt. Sie wollte, dass immer alles perfekt ist. Das hatte für die Anderen aber auch Vorteile.
Welche Seiten zum Thema »Großmütter« interessieren Dich besonders und bringst Du in den Probenprozess mit ein ?
Mich interessiert die Vielschichtigkeit und Unterschiedlichkeit der verschiedenen Großmüttergenerationen. Die Klischees reichen von der typischen Oma mit Schürze über die Trümmerfrau, die Hippiemutter bis zur »Emanze« und Karrierefrau und stimmen oft, manchmal oder gar nicht.
An meiner Großmutter, 1904 geboren, fasziniert mich ihre Widersprüchlichkeit. Sie war Kommunistin, Antifaschistin, laut, kämpferisch, stark, oft auch ungerecht und ideologisch verblendet. Sie konnte sehr gut nähen und backen, kochen und putzen mochte sie weniger. Sie war »die rote Frieda«, eine Legende in ihrem Dorf, bis heute. Sie hat viel für ihr Dorf getan, vielen geholfen, besonders Frauen, aber auch nicht wenigen unrecht getan.
Worauf stehst Du ?
Respekt und Toleranz sind für mich hohe Werte im Umgang miteinander und im gesellschaftlichen Diskurs. Die Individualität jedes Menschen verdient Wertschätzung und keine Bewertung. Gruppenzwang mag ich nicht.
Politisch bin ich von meinen Großeltern geprägt, die beide im antifaschistischen Widerstand in den 30-er Jahren aktiv waren und von meinem Vater. Antifaschismus gehört zu meiner DNA. Meine Mutter hat mich geerdet, sie stand vor allem für Mitmenschlichkeit und Freundlichkeit.