Prima Facie
von Suzie Miller aus dem Englischen von Anne Rabe
Prima Facie
Tessa ist eine erfolgreiche Anwältin auf dem Weg nach ganz oben, eine der Besten ihres Fachs. Häufig sind ihre Klienten Männer, denen sexuelle Übergriffe zur Last gelegt werden. Tessa fragt nicht nach der Wahrheit, sondern untersucht akribisch, ob die Aussagen der Frauen, die im Zeugenstand stehen, anfechtbar sind. Und das sind sie meistens.
Doch eines Tages wird sie selbst Opfer eines Übergriffs durch einen Kollegen. Zeug*innen gibt es dafür keine, stattdessen floss in der besagten Nacht reichlich Alkohol – und die beiden standen am Beginn einer Liebesaffäre. Tessa weiß nur zu gut, was das für sie bedeutet, dennoch zeigt sie den Täter an. Nun steht sie im dem Zeugenstand, ihre Aussagen werden im Kreuzverhör auf Widersprüche und Lücken überprüft. Das Rechtssystem, an das sie bisher felsenfest geglaubt hat, beginnt für sie zu wanken.
Mit »Prima Facie« gelang der bis dahin unbekannten australischen Autorin Suzie Miller 2019 ein bis heute anhaltender, weltweiter Sensationserfolg. Es ist ein wichtiges Stück, im Schatten von »MeToo« entstanden, das für die vielen Opfer sexualisierter Gewalt seine Stimme erhebt. Am neuen theater Halle wird Sybille Kreß die Rolle der Tessa spielen; es inszeniert Lena Gehrke, die mit diesem Stück ihr Regiedebüt gibt.