La traviata
La traviata
»La traviata« wird oft mit »Die vom Weg Abgekommene« übersetzt. Für Regisseur Walter Sutcliffe rückt diese moralisierende Denkweise des 19. Jahrhunderts Verdi in ein falsches Licht. In »La traviata« geht es zwar um Wege, aber eigentlich um die Suche nach dem richtigen Weg, um die Suche nach dem Sinn. Violetta Valery ist eine der größten Heldinnen der Oper – nicht, weil sie eine melodramatische, gefallene Frau ist, die Mitleid verdient, sondern weil sie ihre verbleibende Zeit nutzt, um nach dem Sinn zu suchen. Zunächst nach dem Sinn im ausgelassenen Leben, dann nach dem Sinn im Häuslichen und schließlich nach dem Sinn in der Familie – der größten und tragischsten Illusion überhaupt. Hier stoßen wir auf ein wichtiges Thema Verdis: die Tragödie des Elternseins. Die Versuche, die eigenen Kinder zu formen und zu unterstützen, sind zum Scheitern verurteilt. Die Tragödie in »La traviata« besteht darin, dass Violettas Idealvorstellung von familiärer und väterlicher Liebe als Erlösung ebenso dazu verdammt ist zu scheitern, wie die Liebe selbst.